… und danke für den Fisch!

Es war vor fast sechs Jahren, im Januar 2012, als ich die ersten zarten Bande zur Piratenpartei knüpfte – ich las das Grundsatzprogramm der Partei, abonnierte die Mailingliste der Dortmunder Piraten, besuchte die großen Anti-ACTA-Demos Anfang 2012 und fing an, den örtlichen Stammtisch zu besuchen.

Das Parteiprogramm überzeugte mich – neben vielen anderen Punkten sprach es sich dafür aus, dass jeder Mensch ihr oder sein Leben frei gestalten können sollte, alle Menschen gleich an Wert seien und jeder Mensch befähigt werden müsse, seine oder ihre Entscheidungen zu eben diesem freien Leben auch kompetent treffen zu können. Das schloss auch einen liberalen Umgang mit Drogen ein – ein Thema, für das ich mich schon lange intensiver einsetzen wollte.

Und auch viele der Menschen überzeugten mich.

So kam es, dass ich die letzten sechs Jahre sehr viel Zeit, Energie, Schweiß und Herzblut in diese Partei investiert habe. Den einen oder anderen blauen Fleck habe ich mir auch geholt – sowohl im tatsächlichen als auch im übertragenen Sinne.

Aber wie vieles andere haben sowohl die Piratenpartei als auch ich uns in den letzten sechs Jahren verändert. Und um ehrlich zu sein, fühle ich mich schon länger auf Landes- und Bundesebene nicht mehr wirklich repräsentiert.
Das Programm der Piraten ist für mich zwar noch immer das beste „auf dem Markt“, aber zu oft habe ich den Eindruck, es wurde von vielen gar nicht gelesen – geschweige denn, dass es gelebt würde.

So sehr ich mich den aktiven Dortmunder Piraten auch noch verbunden fühle – auf dem Mutterschiff fühle ich mich nicht mehr heimisch.

Von daher war es wohl nur konsequent auch den letzten Schritt zu gehen.
Ich bin also aus der Piratenpartei ausgetreten.

Gerne wäre ich bei meinen Dortmundern Mitglied geblieben – aber technisch ist das nicht möglich. Praktisch hat es in Dortmund aber noch nie interessiert, ob jemand auf dem Papier Mitglied ist oder nicht. Von daher habe ich nicht vor, mich aus dem Kreisverband weiter zurück zu ziehen.

Die Menschen, mit denen ich bisher gesprochen habe, scheinen auch kein Problem damit zu haben, dass ich mein BV- und mein Ratsmandat behalte. Ich vermute, es kennen mich eigentlich alle gut genug, um zu wissen, dass meine Politik sich nicht durch so eine Kleinigkeit wie einen Parteiaustritt verändern wird.

Und nein, ich sehe mich momentan in keiner anderen Partei.

Ich habe in den vergangenen sechs Jahren viel lernen dürfen – über Politik, über Planung und Organisation, aber auch über andere Menschen und mich selbst.
Ich habe mit vielen tollen Menschen zusammen arbeiten dürfen, haben großartige Menschen (auch außerhalb von Dortmund) treffen dürfen, die ich sonst vermutlich heute nicht kennen würde. Und ich bin mir sicher, dass viele dieser Freundschaften weiterhin fortbestehen werden

Bei vielen Aktionen habe ich das beruhigende Wissen gehabt, eine Partei und Menschen zu haben, die hinter mir stehen. Und vieles wäre ohne diese Menschen sowieso gar nicht möglich gewesen. Ich bin ziemlich froh, das gemacht zu haben. Und natürlich auch, dass ich das überhaupt machen durfte.

Es ist daher wie bei jeder Trennung: Es tut erstmal auch ein bisschen weh. Auch wenn man weiß und fühlt, dass es die richtige Entscheidung ist.

Liebe Piratenpartei, es ist Zeit, dass wir wieder getrennte Wege gehen.

Mach’s gut und danke für den Fisch…


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Nadja Reigl

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